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Berührungsräume

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Berührungsräume schaffen: Warum Menschlichkeit kein Zusatz, sondern Grundlage ist

Wie begegnen wir dem Leben, wenn es uns an unsere verletzlichsten Stellen führt?

Und wie gelingt es uns, gerade dann Räume zu schaffen, die tragen im Persönlichen wie im beruflichen Kontext?

Diese Fragen begleiten mich schon lange. In den letzten Monaten haben sie noch einmal an Tiefe gewonnen.

Wenn Verletzlichkeit sichtbar wird

Vor einiger Zeit durfte ich das Buch „BerührungsRäume  – stille Zwischenräume, in denen wir aufhören zu funktionieren und anfangen, uns wirklich zu begegnen“ von Dr. Antje Petershagen lesen. Ein Rezensionsexemplar, für das ich sehr dankbar bin.

Es ist kein klassischer Ratgeber.
Es ist ein stiller Begleiter.

Ein Buch, das nicht drängt, sondern einlädt.
Nicht erklärt, sondern Räume öffnet.

Vielleicht hat es mich auch deshalb so berührt, weil ich selbst immer wieder an einer Vorstufe von Krebs lebe. Ich kenne dieses leise innere Zittern. Dieses Gefühl, dass sich etwas verschiebt, noch bevor man Worte dafür findet.

Gelesen habe ich es an einem Ort der Stille und genau so wirkt es auch: wie ein geschützter Raum zwischen zwei Buchdeckeln.

Wenn Disziplinen beginnen, sich zuzuhören

Aus dieser Begegnung heraus ist etwas entstanden, womit ich ursprünglich nicht gerechnet hätte:

Ein gemeinsames Interview mit Dr. Antje Petershagen für das JOURNAL ONKO – ein Dialog zwischen Arbeitsrecht und Psychoonkologie.

Ursprünglich war nur meine Perspektive als Arbeitsrechtlerin angefragt. Doch mit dem Thema Krebs, dem Buch BerührungsRäume und dem oft unterschätzten Bereich des Survivorship wurde schnell klar: Dieses Thema braucht mehr als eine Perspektive.

Was daraus entstanden ist, war weit mehr als ein fachlicher Austausch.

Es war ein Gespräch über:

  • Druck und Zeit
  • Fristen und Konflikte mit Arbeitgebern
  • Verantwortung und Unsicherheit
  • emotionale Belastungsgrenzen auf beiden Seiten 

Während die Psychoonkologie Räume öffnet, in denen nichts sofort „gelöst“ werden muss, sondern erst einmal da sein darf, bringe ich eine Perspektive ein, die Orientierung, Struktur und rechtliche Klarheit schafft.

Und genau in dieser Verbindung liegt etwas Kraftvolles.

Survivorship: Die leisen Fragen danach

Besonders deutlich wurde mir das im Blick auf das Thema Survivorship.

Denn mit dem Ende der Akuttherapie ist nichts einfach vorbei.
Oft beginnt genau dort eine neue, stille Phase:

  • Wie belastbar bin ich wirklich?
  • Schaffe ich den Weg zurück in meinen Beruf?
  • Und was passiert, wenn nicht?

Zwischen diesen Fragen bewegen sich Menschen.
Und zwischen diesen Fragen bewegen sich auch unsere Systeme.

Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, nicht nur in Zuständigkeiten zu denken, sondern in Erfahrungen.

Arbeitswelt im Wandel: Wo stehen wir wirklich?

Gleichzeitig erleben wir eine Arbeitswelt, die sich immer schneller dreht.

Polykrisen, Transformation, Fachkräftemangel, steigende Komplexität. All das fordert uns. Und oft bleibt wenig Raum für das, was eigentlich trägt: Menschlichkeit.

Mentale Gesundheit wird viel besprochen.
Aber wird sie wirklich gelebt?

Themen wie:

  • Verletzlichkeit
  • Tabus
  • Erschöpfung
  • Resilienz
  • und die Balance zwischen Leistung und Menschlichkeit

sind längst keine Randthemen mehr. Sie sind zentral für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen.

Was wir brauchen: Mehr als Maßnahmen

Was ich aus all dem mitnehme, ist keine neue Methode.
Sondern eine Haltung.

Eine Arbeitswelt, die den Menschen wirklich ins Zentrum stellt, braucht:

  • Räume, in denen auch Unsicherheit ausgesprochen werden darf
  • Führung, die Klarheit gibt, ohne zu verhärten
  • Strukturen, die tragen – und nicht zusätzlich belasten
  • und vor allem: echtes Zuhören

Denn genau dort entstehen diese „Berührungsräume“ nicht nur in der Psychoonkologie, sondern auch im Arbeitsalltag.

Räume, in denen:

  • Angst da sein darf
  • Hoffnung wachsen kann
  • und Vertrauen entsteht

Kein Entweder-oder mehr

Vielleicht ist genau das die Zeitenwende, die wir brauchen:

Kein Entweder-oder zwischen Recht und Empathie.
Zwischen Struktur und Emotion.

Sondern ein Sowohl-als-auch.

Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder:
Struktur gibt Halt.
Menschlichkeit schafft Vertrauen.

Und erst gemeinsam entsteht etwas, das wirklich trägt.

Eine leise Einladung

Unser gemeinsamer Artikel erscheint voraussichtlich am 27.03.2026 im JOURNAL ONKO.
Er richtet sich an Fachkräfte und ist zugleich eine Einladung, weiterzudenken.

Vielleicht auch für uns alle.

Denn am Ende bleibt eine Frage, die weit über einzelne Disziplinen hinausgeht:

Wie können wir in einer Welt, die immer schneller wird, Räume schaffen, in denen Menschlichkeit nicht verloren geht, sondern wachsen kann?

Vielleicht beginnt es nicht im Großen.
Sondern genau dort, wo wir einander wirklich begegnen.

 

 

Quelle: BerührungsRäume von Dr. Antje Petershagen

Weitergehende Informationen zu Dr. Antje Petershagen finden Sie auch anbei: https://www.linkedin.com/in/dr-antje-petershagen-233814208/

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