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Wenn „zu viel“ zur Stärke wird

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Was wäre, wenn genau das, was früher als „zu viel“ galt, heute Ihre tragfähigste Stärke ist?

Ende Februar 2026 habe ich den VIA-Stärkentest („Values in Action“) gemacht mit einem leisen Schmunzeln. Ganz oben stand: „Liebe zum Lernen“.

Ich musste lachen. Nicht, weil es überraschend war. Sondern weil sofort all die vertrauten Sätze auftauchten:
„Schon wieder eine Weiterbildung?“
„Reicht es nicht irgendwann?“
„Warum so gründlich?“

Vielleicht kennen Sie solche Reaktionen.

Die Positive Psychologie beschreibt die „Liebe zum Lernen“ als Charakterstärke: eine tiefe, innere Motivation, Wissen nicht nur zu sammeln, sondern wirklich verstehen zu wollen. Neugier als Motor. Freude am geistigen Wachstum.

Für mich fühlt sich das stimmig an. Ich lerne gerne. Ich habe ein echtes Bedürfnis, Zusammenhänge zu erfassen, Dinge zu durchdringen, mich weiterzuentwickeln.

Und doch hat diese Stärke auch eine ambivalente Seite.

Wer gerne lernt, stellt Fragen.
Wer Fragen stellt, hinterfragt Routinen.
Wer tiefer geht, verlangsamt Prozesse, die oft nach schnellen Antworten verlangen.

Was früher vielleicht als „zu viel“ wahrgenommen wurde, sehe ich heute anders: nicht als Schwäche, sondern als Ressource.

Gerade in einer Zeit voller Unsicherheit und Veränderung gibt mir Lernen Halt. Nicht, weil ich dadurch alles kontrollieren kann, sondern weil ich beweglich bleibe. Weil ich meine Selbstwirksamkeit stärke. Weil ich mir erlaube, nicht „fertig“ zu sein.

Akzeptanz spielt dabei eine zentrale Rolle: Ich muss meine Wissbegier nicht relativieren. Ich darf sie ernst nehmen und verantwortungsvoll einsetzen.

Lernen ist für mich mehr als Qualifikation.
Es ist Selbstfürsorge.
Es ist Resilienz.
Es ist Zukunftskompetenz.

Und genau hier schließt sich für mich ein Kreis:

Seit Ende Januar 2026 absolviere ich meine Level-1-Ausbildung in Positiver Psychologie am Inntal Institut bei Dr. Daniela Blickhan. Mit dem Beginn von Block 2 – unserem Ausbildungsabschnitt -richteten wir den Blick bewusst auf unsere Stärken. Eine unserer Aufgaben: genauer hinzusehen.

Was trägt uns wirklich?
Was gibt uns Energie, auch in anspruchsvollen Kontexten?
Und wie können wir unsere Stärken so einsetzen, dass sie nicht nur uns selbst, sondern auch anderen dienen?

Vielleicht haben Sie sich gefragt, warum ich für diesen Beitrag das Bild von Seifenblasen gewählt habe.

Für mich sind sie ein Sinnbild der Positiven Psychologie: leicht und doch physikalisch präzise, schillernd und zugleich vergänglich. Sie erinnern mich daran, dass Entwicklung nichts Starres ist. Dass Wachstum Freude enthalten darf. Und dass selbst etwas Zartes tragfähig sein kann – wenn die richtigen Bedingungen da sind.

Vielleicht liegt genau darin Zuversicht:

Dass wir uns nicht auf Defizite fokussieren müssen, sondern auf das, was in uns bereits angelegt ist.
Dass wir lernen dürfen, unsere vermeintlichen „Zuviel-Seiten“ neu zu betrachten.
Und dass genau darin eine Kraft liegt, die Zukunft trägt.

Welche Ihrer Stärken möchten Sie in diesem Jahr bewusster leben? Auch dann, wenn sie früher vielleicht als „zu viel“ galten?

Vielleicht beginnt genau hier etwas Neues.

 

Quelle des Fotos: Pixabay

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