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Wann hat Sie zuletzt eine Geschichte daran erinnert, dass wir einander mehr tragen können, als wir oft glauben?

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Meine Bücherabo-Lieferung im April 2026 war diesmal mehr als nur Buchpost. Sie war Begegnung. Resonanz. Und dank eines besonders feinfühligen Begleitbriefs – auch ein leiser Perspektivwechsel.

Liebe Annette, von Herzen danke. „Du hast meinen Geschmack getroffen“ ist hier fast zu wenig gesagt. Dein persönlicher Brief hat mir die Tür zu einem Buch geöffnet, das ich vermutlich übersehen hätte.

Der Roman „Pina fällt aus“ von Vera Zischke ist genauso ein Buch.

Das Cover hat mich zunächst nicht angesprochen.

Und doch hat mich der Inhalt so tief berührt, dass ich alles andere beiseitegelegt habe. Ich musste diese Geschichte lesen – jetzt.

Was bleibt, ist ein Gefühl von leiser, aber nachhaltiger Verbundenheit.

Pina.
Leo.
Und eine Hausgemeinschaft, die nicht geplant hat, füreinander da zu sein und es trotzdem wird.

Zola. Inge. Wojtek.

Drei Menschen mit eigenen Brüchen, eigenen Kämpfen, eigenen Geschichten. Und gerade deshalb fähig, Verantwortung zu teilen.

Leo, ein junger Mann im Autismus-Spektrum, lebt in einer Welt mit eigenen Regeln. Seine Mutter Pina hat über Jahre einen Alltag geschaffen, der für ihn funktioniert. Bis sie plötzlich ausfällt.

Was dann entsteht, ist kein perfektes System. Es ist etwas viel Wertvolleres: ein Miteinander, das wächst, tastend, unvollkommen und zutiefst menschlich.

Dieses Buch erzählt nichts Lautes.
Und gerade darin liegt seine Kraft.

Es zeigt, dass Inklusion keine Last ist.
Sondern Beziehung.
Mittragen.
Ein sich Einlassen aufeinander – ohne Garantie, aber mit Wirkung.

Als Viellesende spüre ich hier eine tiefe Nähe zur Positiven Psychologie: Wachstum entsteht nicht im Alleingang. Sondern dort, wo Menschen sich sehen, sich zumuten und sich gegenseitig halten.

Besonders berührt hat mich auch die Danksagung der Autorin. Ein Satz bleibt: „Wir wissen alle, dass es ein Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen. Bei Kindern wie Leo braucht es eine Stadt…“

Was für ein weiter, inklusiver Gedanke. Einer, der nicht nur Verantwortung benennt, sondern sie auf viele Schultern verteilt – wertschätzend, verbindend, menschlich.

Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spaltungen sichtbarer werden, wirkt dieses Buch wie ein stilles Gegengewicht. Es erinnert daran, was möglich wird, wenn wir nicht nebeneinander leben, sondern füreinander einstehen.

Vielleicht liegt genau darin auch eine leise, aber kraftvolle Inspiration für unsere Arbeitswelt: Wie viel mehr könnte entstehen, wenn wir Unterschiede nicht als Herausforderung begreifen, sondern als Chance?


Wenn wir Verantwortung nicht nur tragen, sondern teilen?
Wenn wir Räume schaffen, in denen Menschen mit ihren Eigenheiten dazugehören dürfen – und nicht trotz, sondern gerade wegen dieser?

 

„Pina fällt aus“ ist für mich ein Geschenk zur richtigen Zeit.
Und eines, das ich weitergeben möchte.

Ein Buch, das nicht beschleunigt, sondern innerlich ausrichtet.

Wann hat Sie zuletzt eine Geschichte daran erinnert, dass Inklusion keine Belastung ist, sondern eine Bereicherung, die uns alle wachsen lässt?

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